Bariloche-Guide 2: Trekking von Bariloche nach Pampa Linda

Bariloche liegt am Fuße der Anden und ist ein Trekking-Paradies. Tagelang kannst Du im Nationalpark Nahuel Huapi von Hütte zu Hütte wandern. Im zweiten Teil des Bariloche-Guides nehme ich Dich mit auf einen Fußmarsch durch die Anden: von Bariloche nach Pampa Linda.

Der Plan:

Refugio Frey – Tagesausflug Punta Princesa & Refugio Lynch – Refugio Jakob über Rucaco & Brecha Negra – Los Césares (Lago Mascardi) über Paso Schweitzer – Laguna Cretón über Laguna Callvu/Azul – Laguna Ilón über Laguna Jujuy – Pampa Linda – Tagesausflug Cerro Volcanico – Refugio Otto Meiling – Refugio Agostino Rocca über Paso de la Nubes – Puerto Blest über Puerto Frías & Lago Ortiz Basualdo – Bariloche – Refugio López & Pico Turista

Probleme:

  • das Wetter: Nach einem heftigen Winter lag in den Bergen noch sehr viel Schnee, sämtliche Pässe wurden von der Parkverwaltung gesperrt, die Flüsse waren dementsprechend stark angeschwollen etc.
  • die Wege: im Club Andino wurde uns gesagt, dass es kein Durchkommen zum Puerto Frías gibt, da eine Brücke eingestürzt ist und eine Flussdurchquerung aufgrund der Schneeschmelze und Strömungen zu gefährlich sei.

Die tatsächliche Tour:

Refugio Frey – Refugio Jakob über Valle Casa de Piedra – Los Césares (Lago Mascardi) über Paso Schweitzer – Pampa Linda – Refugio Agostino Rocca über Paso de la Nubes – Tagesausflug Tronador & Ventisquero Negro – Bariloche – Villa La Angostura – Refugio López

Allgemeine Infos zum Trekking im Nahuel Huapi:

  • Karten & Ausstattung: Wanderkarten und -ausrüstung gibt es Bariloche in jedem Outdoorgeschäft, beim Club Andino und bei der Parkverwaltung. Einen guten Überblick über die Gegend und die Refugios findest Du auf der Seite des Club Andino und der Infoseite von Bariloche.
  • Hütten Ausstattung: Die meisten Schutzhütten haben einen Schlafsaal/Matratzenlager, separate Campingzone, keine Heizung, keine Duschen, einfache sanitäre Einrichtung, Tagesmenü.
  • Camping: Camping ist im gesamten Nationalpark in Notfällen überall gestattet, wo man ein Zelt aufbauen kann. Sofern es sich nicht um einen Notfall handelt, gibt es zum Übernachten Schutzhütten und ausgewiesene Stellen zum Zelten.
  • Müll: Es sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht: Jeder Wanderer muss seinen Müll wieder mit nach Bariloche nehmen. Grünabfall kann in der Regel in den Refugios gelassen werden.
  • Internet: Im Nationalpark gibt es keinen Handy/Internet Empfang.

1. Etappe: Bariloche - Refugio Frey

Vom Zentrum in Bariloche bringt Dich der Bus 55 nach Villa Catedral, dem Ausgangspunkt für die Wanderung zum Refugio Emilio Frey. Die Schutzhütte liegt am Fuße des Catedral-Massivs an der Lagune Toncek auf 1700 m. Das Refugio wird vor allem von Kletterern besucht, für die die spitzen Felsnadeln des Massivs ein Paradies sein müssen.

Information Trekking & Refugio Frey:

  • Distanz: 10 km
  • Höhenunterschied: 700 m
  • Zeit: 4 - 6 Stunden
  • Zeltplätze vorhanden: Ja
  • Bewirtung: Ja
  • Küchennutzung: Ja
  • Preise: siehe Website des Club Andino
  • Mein Tipp: Lass Dir die selbstgebackene Pizza auf keinen Fall entgehen! Diese ist mit 300 Pesos (Dezember 2017) zwar nicht ganz günstig, aber es lohnt sich. Sie ist so reichhaltig, dass 2-3 Personen davon satt werden.
  • Beachte: Reservierung im Voraus notwendig!
  • Kontakt:

Mail: refugiofreybariloche@gmail.com

Tel: (0294)154311112 /154348019

Auf der Website des Refugios kannst Du Reservierungen vornehmen und Dich über

die Wegbeschaffenheit informieren.

Der Weg ist gut ausgeschrieben. Zunächst führt er ohne große Steigung oberhalb des Lago Gutiérrez entlang. Es ist ein schöner Panoramaweg, auf dem Du eine traumhafte Aussicht auf Bariloche, die Anden und den See genießen kannst. Im Frühling blüht es am Wegesrand in allen erdenklichen Farben. An heißen Sommertagen empfiehlt sich, früh aufzusteigen, denn hier gibt es keinen Schatten. Das wussten wir. Warum wir dennoch in der sengend heißen Mittagssonne unterwegs sind, ist mir bis heute ein Rätsel. Nach ein paar wunderschönen Aussichtspunkten kehren wir Bariloche und dem Gutiérrez den Rücken zu.

Bis kurz vor dem Ziel führt der Weg durch einen patagonischen Märchenwald. Am Fluss Van Titter (ja, europäische Einflüsse sind hier überall sichtbar) füllen wir unseren Wasservorrat auf. Der Weg wird steiler. Wenn die unbewirtete Hütte Piedritas in Sicht ist, hast Du es fast geschafft.

Doch nun kommt der eigentliche Anstieg: In steilen Serpentinen schlängelt sich der Weg durch den Wald und über Felsen gen blauen Himmel, bis sich das Refugio auf der anderen Flussseite zeigt. Die Flussdurchquerung sollte im Sommer kein Problem sein. Wir haben jedoch keine Chance trockenen Fußes auf der anderen Seite anzukommen.

Oben angekommen, entschädigt der Blick über das Tal auf der einen Seite, das schroffe Gebirge auf der anderen für alle Strapazen. Wir bleiben zwei Nächte. Die zweite Nacht haben wir das Bettenlager für uns allein. Nachts werde ich immer wieder vom Wind geweckt, der bedrohlich an die Fenster klopft. Am Morgen erstrahlen die Catedral-Berge in sanftem Rosa, das bald in kräftiges Gold übergeht.

 

Wir machen einen Tagesausflug zur Laguna Schmoll, was ich Dir nur empfehlen kann. Das ist auch der Weiterweg zum zweiten Refugio, Jakob. Ab der Lagune geht es über ein Geröllfeld steil bergauf und über die sogenannte "Cancha de fútbol" zum Bergkamm. Von dort bergab ins Tal Rucaco, ebenso steil die Brecha Negra hinauf. Vom Gipfel der Brecha Negra siehst Du schon das Refugio Jakob.

 

Unsere Trekkingpläne werden jedoch noch vor der Cancha de fútbol zunichte gemacht. Mit Eispickel geht es anfangs ganz gut durch den Schnee. Als ich zwischen zwei Schneefeldern über die Felsen nach oben klettere, wird mir plötzlich anders zumute. Unter mir die Lagune, über mir Felsen, Geröll und Schnee. Ich – nichtig klein, irgendwo dazwischen. Mir werden drei Dinge klar:

 

- irgendwie schaffe ich es bis zum Bergkamm

- ich habe keine Ahnung, wie ich jemals wieder runterkommen soll

- ich weiß, dass ich diesen Aufstieg durch Schnee und Eis am nächsten Tag mit meinem schweren Rucksack NICHT schaffe.

Wir wollen kein Risiko eingehen und drehen schweren Herzens um. Am nächsten Tag steigen wir ab nach Villa Catedral.

Unser neuer Plan: Aufstieg zum Refugio Jakob über das Casa de Piedra Tal.

Anmerkung: Der Weg vom Frey zum Jakob über das Valle Rucaco ist an sich nicht übermäßig schwer. Er erfordert Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Kondition, wird aber von vielen Wanderern begangen. Lediglich bei zu viel Schnee und schlechtem Wetter wird es kompliziert. Im Refugio erhältst Du Auskunft.

2. Etappe: Bariloche – Casa de Piedra  – Refugio San Martín (Jakob)

An den Ausgangspunkt für das Casa de Piedra Tal zu kommen, ist aufgrund mangelnder Infrastruktur nicht ganz leicht. Die einfachste Variante ist, den Bus Nr. 20 zu nehmen und bei Kilometer 13 auszusteigen. Dort gibt es Taxis, die Dich zum Tambo de Baez bringen. Hier beginnt der Wanderweg. Die Schutzhütte heißt eigentlich San Martín, wird aber in der Regel Refugio Jakob genannt.

Information Trekking & Refugio Jakob über Casa de Piedra:

  • Distanz: rund 20 km
  • Höhenunterschied: ca. 740 m
  • Zeit: 6 Stunden
  • Zeltplätze vorhanden: Ja, bei Regen/Schnee oft überschwemmt bzw. sehr matschig
  • Bewirtung: Ja
  • Küchennutzung: generell ja, zurzeit aufgrund der kleinen Küche in den Domos nicht möglich
  • Preise: siehe Website des Club Andino
  • Mail: refugiojakob@hotmail.com
  • Tel:  (0294) 154392082
  • Anmerkung: Das ursprüngliche Refugio wurde vor ein paar Monaten niedergebrannt. Als wir im Dezember 2017 dort waren, standen Wanderern Betten in Domo Zelten zur Verfügung. Am Aufbau des neuen Refugios wurde gearbeitet, es soll bis März 2018 fertig sein.

Das Refugio Jakob liegt auf 1564 m an der gleichnamigen Lagune. Der Weg ist Teil des Fernwanderwegs Huella Andina (hellblau-weiße Markierung) und ist gut ausgeschildert. Die Wanderung zum Refugio ist lang, aber ohne technische Schwierigkeiten. Es geht die meiste Zeit gemächlich am Fluss Casa de Piedra entlang und über schöne Waldwege. Ähnlich wie beim Refugio Frey erwartet den müden Wanderer am Ende ein steiler Serpentinenaufstieg.

Bei uns zieht der Himmel zu, es beginnt heftig zu regnen, der Weg wird zu einem schlammigen Bach. Wir rutschen immer wieder aus. Die Schultern schmerzen vom Rucksack. Es ist kalt und düster.

Völlig durchnässt kommen wir am Refugio an und beschließen, nicht wie geplant zu zelten. Eine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellt: Der Wind nimmt zu, aus Regen wird Graupel und schließlich Schnee.

Über Radio werden die Hüttenwirte informiert, dass alle Pässe geschlossen sind. Bei minus 8 Grad sind wir drei Tage lang im Refugio Jakob eingeschneit. Zusammen mit den paraguayischen Arbeitern, die die neue Hütte bauen, den Hüttenwirten und einem US-Amerikaner stehen wir um den Ofen und trinken Mate. 

 

Die Berge um uns herum sind erst schemenhaft, dann gar nicht mehr zu erkennen. Wir bewegen uns vom Schlafsack zur Küche zum Klohäuschen. Als der Schneesturm nachlässt, müssen wir noch einen weiteren Tag warten, bis die Flüsse abgeschwollen sind. Denn auf der nächsten Etappe stehen vier Flussdurchquerungen an.

3.Etappe: Refugio Jakob – Paso Schweitzer – Casalata – Los Césares

Wir starten um 9 Uhr. Im Scherz sage ich zu Hernan: „Wir können uns 12 Stunden Zeit lassen, denn bis 21 Uhr haben wir ja Licht.“ Gut, dass ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, dass mir tatsächlich 12 Stunden Marsch bevorstehen...

Information Trekking Casalata:

  • Distanz: ca. 25 km
  • Höhenunterschied: ca. 900 m (bergab)
  • Dauer: offiziell 8 Stunden, wir waren 12 Stunden unterwegs
  • Camping Los Césares ist eine Zone am Río Manso, in der Camping erlaubt ist, kein offizieller Campingplatz.

Auch diese Etappe gehört zur Huella Andina, wird aber nur sehr selten begangen, weswegen die Wegbeschreibung und –beschaffenheit um einiges dürftiger ausfällt als bisher. Vom Refugio Jakob geht es über Felsen zur Laguna de los Témpanos. Wir müssen die Felsen vom Eis freischlagen.

Über uns kreisen Kondore. Wir genießen einen herrlichen Blick über die Laguna Jakob und das angrenzende sumpfige Mallíngebiet.

Über Schneefelder geht es steil hinauf zum Paso Schweitzer. Mitten auf dem Pass liegt die Wasserscheide der patagonischen Anden.

An einem Wasserfall entlang führt der Weg abrupt bergab. Wir müssen mehrmals den Fluss durchqueren und durch kleinere Schneefelder hindurch. Die Felsen sind rutschig und wir höchst konzentriert. Hier darf man sich keinen Fehltritt erlauben. Wir brauchen für den Abstieg länger als geplant. Nun windet sich der Weg in Schlangenlinien durch das Tal, vorbei an Gletschern und durch schattenspendenden valdivianischen Regenwald. Die größte Steigung haben wir zwar hinter uns, aber das ständige Bergauf und –ab zehrt an den Nerven.

Der Wald wird undurchdringlich, oft müssen wir umkehren und einen neuen Weg einschlagen. Die Markierungen sind spärlich. Wir sind umgeben von meterhohen Caña Colíhue Pflanzen, einer Bambusart, die für sämtliche Löcher in unseren Kleidern und Rucksäcken verantwortlich ist. Der Boden ist schlammig, wir versinken bis zu den Knöcheln im Mallín.

 

Dann ist da der umgefallene Riesenbaum, der uns eine weitere Stunde kostet. Er liegt quer über dem Weg. Die Suche nach einem anderen Weg – vergeblich. Mit den Rucksäcken im Schlamm Halt zu finden, um auf den Stamm zu klettern, wird zur Tortur.

Vom Stamm aus erblicke ich die Wurzeln, über die wir hinunterklettern müssen. Es scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Ich hänge also an diesem Baum, umarme die Wurzel, beobachte sämtliche Insekten, die sich an meinen Armen erfreuen und kann mir das Lachen nicht verkneifen. Es schwingt ein bisschen Verzweiflung mit.

 

Diese Situation ist absurd. Ich fühle mich wie in einem Film von Werner Herzog.

Schließlich schaffe ich es irgendwie, über die Wurzeln nach unten zu klettern und versinke wieder im Matsch.

Als nächstes stehen die Flussdurchquerungen bevor. Die erste geht gut, die zweite und dritte auch. Die vierte und letzte ist die schwierigste. Das Wasser geht uns fast bis zur Hüfte, die Strömung ist sehr stark. Als auch das geschafft ist, gönnen wir uns eine Pause. Die Sonne steht bereits tief am Himmel und wir lassen uns das Mittagessen schmecken. Auf dem Speiseplan steht: Ein Müsliriegel pro Person.

Die letzten Kilometer ist der Weg eben und ich setze mechanisch einen Schritt vor den anderen. Versuche nicht an den schmerzenden Körper und die Blasen an den Füßen zu denken. Ich kämpfe gegen meine Gedanken an, die mir zurufen: Schmeiß den Rucksack auf den Boden, setz dich mit verschränkten Armen daneben und schrei Hernan ins Gesicht, dass du keinen Meter mehr gehen wirst. Nie wieder.

Aber es hilft ja nichts.

Wir überqueren den Río Manso und da liegt er, majestätisch im Abendlicht: der Cerro Tronador mit seinen drei Gipfeln. Dieser Anblick gibt mir Kraft für die letzten Schritte zur Campingzone.

 

Los Césares ist eine große Grünfläche in der Nähe des Lago Mascardi. Das Schild, dass hier Campen erlaubt ist, liegt irgendwo im Gebüsch, weswegen wir es nicht sehen und immer weiter laufen, bis wir am Seeufer stehen. Hier ist campen definitiv nicht erlaubt.

Nun fängt auch Hernan das Fluchen an. Die letzten zwei Kilometer zurück nach Los Césares sind eine Qual. Keiner sagt mehr ein Wort.

Dann sehen wir das Schild: Zona de acampe. Mit dem letzten Licht des Tages stellen wir unser Zelt auf und kochen.

Ich stelle mir vor, wie ich mich in den Schlafsack kuschel und die ganze Nacht tief und fest schlafe.

 

Doch es kommt alles anders…

Hellwach liege ich im Zelt. Bis in die frühen Morgenstunden.

 

Der Boden vibriert, Hufe donnern um uns Zelt. Eine Pferdeherde hat es sich zur Aufgabe gemacht, in wildem Galopp Runden um unser Zelt zu drehen, zu wiehern, zu schnauben. Sie lassen sich von uns nicht aus der Ruhe bringen, zwei Hengste kämpfen im Schein der Taschenlampe.

Ich frage mich, ob die Pferde unser Zelt in der Dunkelheit sehen und stelle mir schon die Schlagzeilen vor:

Zwei Wanderer von halbwilden Pferden totgetrampelt!

 

Als ich am nächsten Tag das Zelt öffne und in die warmen Sonnenstrahlen blinzele, liegen die Pferde völlig erschöpft ums Zelt herum und dösen friedlich vor sich hin.

Das ist jetzt nicht euer Ernst! Nachts galoppieren und erschöpfte Wanderer wach halten und tagsüber schlafen!

4.Etappe: Los Césares – Pampa Linda

Während des Frühstücks werden die Pferde neugierig und zutraulich. Sie beschnuppern unser Zelt, unsere Rucksäcke, suchen in den Töpfen nach Essbarem. Den Plan, eine weitere Nacht zu bleiben, werfen wir über Bord und machen uns auf den Weg nach Pampa Linda.

Vor uns liegen 16 Kilometer Schotterpiste ohne Schwierigkeiten – bis auf die Blasen, die bei jedem Schritt laut aufschreien.

Der Blick auf den Tronador und den Gebirgszug „Biblioteca“  ist atemberaubend.

Pampa Linda liegt mitten im Nationalpark Nahuel Huapi an der Grenze zu Chile und besteht aus einem Grenzhäuschen, einem Campingplatz, einem Hotel, einem Stall und dem Haus des Parkwächters.

 

Wir entscheiden uns für den Campingplatz, wo man für zusätzliche 100 Pesos auch eine warme Dusche bekommt. Nach über einer Woche in den Bergen eine Wohltat! Und nach Tütensuppen und Müsliriegel ist das Restaurant eine willkommene Abwechslung.

Pampa Linda ist Ausgangspunkt für Wanderungen zum Refugio Agostino Rocca, Otto Meiling und die Besteigung des Tronador. Außerdem kommt man hier über den Paso Vuriloche nach Chile (2 Tage, Mitnahme eines Zelts empfehlenswert). Die Grenzformalitäten in Pampa Linda nicht vergessen, sonst war all die Mühe umsonst!

Um unsere müden Füße nicht überzustrapazieren, legen wir einen Ruhetag in Pampa Linda ein, gefolgt von einem Ausflug zum Ventisquero Negro, einem der Gletscher des Tronador, 7 Kilometer von Pampa Linda entfernt.

Der Gletscher ist Ziel zahlreicher Tagesausflügler, die von Bariloche mit dem Auto kommen.

Ein Hund namens Ramón

Hunde sind im Nationalpark nicht erlaubt. Gut, dass Ramón das völlig egal ist.

 

Dieser Mischlingshund kam vor ein paar Monaten – man vermutet, von Colonia Suiza – über die Andengipfel nach Pampa Linda. Er lebt auf dem Campingplatz und wird vom Parkwächter, der mit der Tochter des Campingplatzbesitzers zusammen ist, stillschweigend geduldet.

 

Ramón sucht sich seine Freunde selbst aus. Und wie kann es auch anders sein, er möchte Hernans Freund werden. Dazu springt er ständig an mir hoch, denn er weiß, dass ich das nicht leiden kann, nach Hernan rufe, der ihm daraufhin Streicheleinheiten gibt, um ihn mir vom Hals zu halten.

Ramón schläft nachts vor unserem Zelt, manchmal höre ich ihn knurren, und folgt uns auf Schritt und Tritt.

Die Bewohner von Pampa Linda erzählen uns, dass Ramón die Berge liebt, Bergsteiger begleitet und ihnen den Weg zu den Refugios zeigt. Das Agostino Rocca findet er eher langweilig, zum Otto Meiling auf dem Tronador steigt er liebend gern. Auch, weil dort immer Schnee liegt und Ramón Schnee liebt.

 

Der Tronador hat drei Gipfel: einer gehört zu Argentinien, einer zu Chile und der dritte ist international. Für die Besteigung sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Klettererfahrung sowie die passende Ausrüstung ein Muss. Auch das ist Ramón völlig egal. Uns wird erzählt, dass er einen Kletterer auf den argentinischen Gipfel begleitete.

Ramón, Hut ab vor dir, du bist der erste Hund auf dem Gipfel des Tronador!

5. Etappe: Pampa Linda – Refugio Agostino Rocca & zurück

In Pampa Linda gibt es ein kleines Infozentrum, wo man sich über Wetter und Wege informieren und die Wanderungen registrieren kann. Theoretisch. Praktisch war das leider nicht möglich, denn das Zentrum war während unseres gesamten Aufenthalts geschlossen.

 

Der Tronador ist in Wolken gehüllt und da wir keine Ahnung haben, wie das Wetter die nächsten Tage werden soll, beschließen wir, anstatt zum Otto Meiling, zunächst zum Refugio Rocca zu wandern. Natürlich in Begleitung von Ramón.

Er erkennt Hernan als Alphatier und mich als schwächstes Glied in der Kette an. Er selbst platziert sich dazwischen. Er rennt voraus, um uns den Weg zu zeigen, dreht aber immer wieder um, um sich zu versichern, dass wir noch da sind.

Information Trekking & Refugio Agostino Rocca

  • Distanz: 15 km
  • Höhenunterschied: 600 m
  • Zeit: 4-6 Stunden
  • Zeltplätze vorhanden: Ja
  • Bewirtung: Ja
  • Küchennutzung: Ja
  • Preise: siehe Website des Club Andino 
  • Eine heiße Dusche gibt es für zusätzlich 300 Pesos (Dezember 2017).
  • Kontakt:

Mail: sebestamariano@gmail.com

Tel.: (0294) 154655903

Infos über Facebook-Seite des Refugios

Es geht eben auf einem Schotterweg bis zum Río Castaño Overa, der über eine Brücke überquert wird. An einer Weggabelung geht es links zum Otto Meiling, rechts zum Rocca. Der schöne Weg führt am türkis schimmernden Río Alerce entlang und durch Lenga-Wälder. Bei gutem Wetter sieht man nach der zweiten Flussüberquerung auf der linken Seite den Gletscher Alerce. Alle Gletscher gehören zum Cerro Tronador.

Nun führt der Pfad in Serpentinen steil bergauf. Der Weg ist matschig und rutschig. Als die ersten Schneefelder in Sicht kommen, ist Ramón nicht mehr zu bremsen. Alle Viere von sich gestreckt, rutscht er die Berge hinunter und springt bellend wieder hoch. Dieser Hund ist das reinste Energiebündel!

Das Refugio liegt am Paso de las Nubes auf einem Felsvorsprung und ist schon bald in Sicht. Es ist das neueste der Refugios, groß, hell, gemütlich und hat eine schöne Sonnenterrasse mit grandiosem Ausblick über den Gletscher Frías, den Tronador (bei gutem Wetter), das Frías Tal und den gleichnamigen See.

Schnell machen wir ein paar Fotos, denn die aufziehenden Wolken verheißen nichts Gutes. Wir sind die einzigen Gäste und verstehen uns hervorragend mit den Hüttenwirten, deren selbstgemachte Pasta köstlich schmeckt.

Ramón, die arme, treue Seele, muss draußen schlafen. Hunde sind im Refugio nicht erlaubt. Wir versuchen ihm mit unseren Isomatten und Rucksäcken ein windgeschütztes Schlafplätzchen zu bauen.

Der Wind nimmt zu. Bald regnet es in Strömen. Im Refugio gibt es sogar eine Heizung.

Am nächsten Tag erwartet uns Ramón schon sehnsüchtig. Er ist bereit für den Abstieg, was er uns nur allzu deutlich zeigt.

 

Es regnet stärker, bald hagelt es. Und dann: wieder mal Schnee. Die Hüttenwirte kommunizieren über Radio mit dem Parkwächter, der uns schleunigst zum Abstieg mahnt, da ein Schneesturm kommen soll und alle Pässe geschlossen werden.

Auf dem Campingplatz wird Ramón bereits erwartet. Zur Belohnung gibt’s für ihn ein großes Stück Fleisch, für uns eine heiße Dusche.

Zurück nach Bariloche

Die Tage vergehen und wir warten in Pampa Linda auf besseres Wetter, um doch noch zum Otto Meiling aufzusteigen. Vergeblich. Und dann ist Heilig Abend und wir haben keine Lust mehr auf Pampa Linda, auf Zelten, auf die Warterei. Wir beschließen, die Andendurchquerung abzubrechen. Mit dem Minibus, der einmal täglich von Pampa Linda nach Bariloche fährt, geht es zurück.

Ramón schaut uns traurig hinterher. Er wird mit Sicherheit bald neue Freunde finden.

Letzte Etappe: Bariloche – Refugio López

Weihnachten verbringen wir in Bariloche. Das Wetter will einfach nicht besser werden und so fahren wir für ein paar Tage nach Villa la Angostura auf der anderen Seeseite. Die letzte Wanderung, von Bariloche zum Refugio López, wollen wir uns aber nicht nehmen lassen.

Der Cerro López ist einer der Hausberge von Bariloche und daher viel besucht. Reservierungen sind aber nicht notwendig.

Information Trekking & Refugio López

Ausgangspunkt für Wanderungen zum López ist Kilometer 22,5 des Circuito Chico.

Bus Nr. 10 bis Colonia Suiza (an der Weggabelung vor Colonia Suiza aussteigen, ca. 500 m zu Fuß) oder Bus Nr. 20 bis Campanario und von hier Bus Nr. 13 bis Kilometer 22,5. Informiere Dich vorher über die Abfahrtszeiten, denn die Nummer 13 fährt nur 3x täglich.

Der Aufstieg beginnt am Fluss López, neben einem Imbiss.

 

Das Refugio López gehört nicht zum Club Andino. Deswegen erhältst Du dort auch keine Auskünfte über die Hütte.

  • Distanz: 11 km
  • Höhenunterschied: 700 m
  • Zeit: 3 Stunden
  • Zeltplätze vorhanden: Ja
  • Bewirtung: Ja
  • Küchennutzung: Ja

Der Weg geht konstant bergauf und mit jedem Höhenmeter wird der Blick über den Lago Nahuel Huapi spektakulärer. Nach etwa 1/3 des Weges erreichen wir das Refugio Roca Negra. Bis hierher gibt es kaum Schatten, die Sonne sticht gnadenlos vom Himmel. Ausreichend Sonnenschutz und Wasser sind hier Pflicht.

Nun geht es durch schattenspendende Wälder weiter bergauf. Das Refugio ist schon in Sicht, wird mit jedem Schritt größer. Das letzte Stück führt über einen breiten Forstweg, dann über Felsen steil hinauf.

Oben angekommen, gönnen wir uns zum Abschluss unseres Urlaubs ein Bier und genießen den Sonnenuntergang über dem Nahuel Huapi.

Es ist der 31.12.2017. Mit einem vorzüglichen Menü und einem schweren Rotwein begrüßen wir auf der Terrasse das neue Jahr.

Am 1.1.2018 müssen wir uns zum letzten Mal dem Wetter beugen. Der Weg zum Pico Turista, von dem man einen atemberaubenden Rundumblick haben soll, ist aufgrund der Schneemassen gesperrt.

Wir geben uns geschlagen und steigen einen Tag früher ab als geplant.

Am Abflugtag regnet es in Strömen. Wir sitzen im Bus auf dem Weg zum Flughafen und betrachten die Umrisse des Cerro Catedral. Im Refugio Jakob schneit es mit Sicherheit.

Ramón ist überglücklich.

Patagonischer Sommer.

 

Bariloche, ich habe unseren ursprünglichen Plan nicht vergessen! Ich komme wieder!

Du hast noch nicht genug vom Wandern in Bariloche?

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