Die Druckerei der Vergangenheit. Eine Zeitreise

Viele der Plakate, die man in Buenos Aires sieht, werden durch Hochdruck, eines der ältesten Druckverfahren, hergestellt. Das ist keine Arbeit für Ungeduldige: Die einzelnen Typen müssen von Hand zum Schriftsatz zusammengestellt werden, der anschließend mit Druckpressen auf Papier übertragen wird. Ich habe mir das in einer alten Druckerei mal genauer angeschaut...

Der Kontrast an diesem Dienstagmorgen könnte nicht größer sein.

Im lauten Verkehrschaos von Buenos Aires steige ich in den Bus Nummer 126, der mich in knapp zwei Stunden durch die verschiedensten Viertel kutschieren wird. Bereits um 8 Uhr hat das Thermometer die 30 Grad Marke geknackt, durch die offenen Busfenster strömt warme Luft und ich klebe am Sitz fest.

Als die Stadtautobahn General Paz, die die Grenze der Hauptstadt markiert, hinter uns liegt, bin ich der einzige Fahrgast.

Kurz vor der Endhaltestelle steige ich aus und zwei Häuserblocks weiter drücke ich eine verrostete Klingel, neben der kaum lesbar „Imprenta Pucara“ steht.

Ein Mann öffnet die ächzende Tür und führt mich durch den Vorraum hindurch in eine andere Zeit.  

 

Das Rattern und Schnauben der Maschinen erstickt jedes Wort. Die Sonnenstrahlen knallen ohne Erbarmen auf das Wellblechdach, der verstaubte Ventilator hat wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten den Geist aufgegeben. Die schwere Luft ist von einer Mischung aus Tinte, Öl und Zigarettenrauch geschwängert.

Im hinteren Teil der Werkstatt stehen zwei Druckpressen, auf denen in deutscher Sprache steht „Walzen während des Ganges der Maschinen nicht berühren“. Es handelt sich um Maschinen der Dresden-Leipziger Schnellpressenfabrik AG aus den 1920er Jahren.

In Deutschland wahrscheinlich Erinnerungsstücke im Museum, in Argentinien im täglichen Einsatz.

Die Werkstatt ist seit mehreren Generationen in Familienbesitz, ihre Zukunft ungewiss.

 

Hier arbeiten Menschen, die sich für ein uraltes Handwerk begeistern und die alte Technik mit modernen Designs am Leben halten. In den schiefstehenden Wandregalen stapeln sich die Schriftstöcke und Einzellettern, von denen einige noch älter sind als die Maschinen.

Heute steht der Druck von Werbeplakaten für ein Konzert auf dem Plan, die bald die Straßen von Buenos Aires schmücken werden.

Ich schaue den Männern bei ihrer Arbeit neugierig über die Schulter. Anfangs sind sie noch etwas wortkarg, aber irgendwann ist das Eis gebrochen und sie erklären mir enthusiastisch jeden ihrer Arbeitsschritte.

Zurück in der Hauptstadt rieche ich immer noch das Öl längst vergangener Zeiten und höre die Maschinen knattern.   

 

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