Stolz wie ein Argentinier – der 25. Mai in Buenos Aires

Buenos Aires hat sich herausgeputzt. Türen und Fenster sind geschmückt mit hellblau-weißen Schleifen, die Sonne der argentinischen Flagge lacht die Passanten an jeder Straßenecke an. Anstelle von Regenschirmen und Adaptern wird in der Fußgängerzone die Escarapela, die argentinische Kokarde, als Anstecknadel verkauft. Die Vorbereitungen für den „Día de la Patria“ sind in vollem Gange.

 

Der 25. Mai ist ein wichtiger Feiertag in Argentinien. Grund dafür ist die Mai-Revolution von 1810, die in der Errichtung der ersten unabhängigen Regierung des Landes gipfelte und so den Weg zur endgültigen Unabhängigkeit von Spanien (9. Juli 1816) ebnete.

 

 

In den Kulturzentren und auf den Plätzen der Stadt gibt es zahlreiche Konzerte, Tanz- und Theatervorführungen, Märkte, kostenlose Führungen und kulinarische Köstlichkeiten.

Der 25. Mai ist eine hervorragende Gelegenheit, dem traditionellen Markt im Viertel Mataderos („Feria de Mataderos“) einen Besuch abzustatten (Av. Lisandro de la Torre & Av. de los Corrales; Bus Nr. 125 im Zentrum). Hier gibt es traditionelle Gerichte aus den verschiedenen Provinzen, Folklore-Vorführungen, Kunsthandwerk und ein historisches Museum mit ursprünglichem Restaurant und idyllischem Innenhof.

 

Locro – ein traditioneller Eintopf

Für die Argentinier kommt heute nur ein Gericht auf den Tisch: Locro. Locro ist ein herzhafter Eintopf aus Mais, Fleisch, chorizo-Wurst und Gemüse, der in den Andenstaaten weit verbreitet ist, und in Argentinien als Nationalgericht gilt. Serviert mit Fladenbrot und der scharfen Soße Quiquirimichi, ist Locro eine wahre Freude für den Gaumen.

Das weltbeste Locro gibt es natürlich bei der argentinischen Schwiegermama. Das zweitbeste im Restaurant La Morada im Zentrum (Hipólito Yrigoyen 778).

 

Zu Tisch bei den argentinischen Schwiegerelten

Für viele Porteños wird der Feiertag zum Anlass genommen, sich mit Familie und Freunden zu treffen und ausgiebig zu mampfen. Hernans Mutter hat das Familientreffen zur Sicherheit schon Wochen zuvor angekündigt, sodass niemand mit einer Ausrede kommen kann. Es ist einer dieser wenigen Tage, an denen Anwesenheitspflicht für die gesamte Großfamilie besteht.

 

Heute hört man geduldig lächelnd den Monologen des Onkels zu, der ständig versucht, seine Vitamintabletten zu verkaufen. Heute vergessen Schwiegerpapa und Tante, dass sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen politischen Ansichten nicht ausstehen können und setzen sich gemeinsam an den Tisch. Sie verzichten auf Sticheleien und Diskussionen. Oder versuchen es zumindest.

 

Für einen Tag wird ausgeblendet, warum man die restlichen 364 Tage auf die Straße geht und demonstriert. Heute ist man stolz auf das Land, in dem man lebt.

Geschichten von früher werden ausgepackt. „Weißt du noch…?“ „Mein Urgroßvater hat an jedem 25. Mai das und das gemacht.“ Und wie groß das Kind der Schwester schon geworden ist!

 

 

Nach dem Aperitif und üppiger Vorspeise gibt es Locro, dazu Rotwein. Dann Nachspeise. Dann Kekse. Dann Torte. Dazu Kaffee. Wenn der Magen ausreichend verklebt ist von all dem Süßkram, werden Champagner und Sidra aus dem Kühlschrank geholt. Heute trinken wir auf „unser“ Argentinien. Ein Land, auf das wir stolz sind, das wir lieben. Es folgen Hymnen auf die Schönheit der unterschiedlichen Provinzen.

 

„Schade nur, dass wir Argentinier so bescheuert sind.“ Der Schwiegerpapa zwinkert mir zu, will mich, die Nicht-Argentinierin, zu seiner Komplizin machen. Die Mundwinkel der Tante beginnen nervös zu zucken, gleich startet sie den Gegenangriff und es wird doch politisch.

 

 

„Viva la patria!“ – die Schwiegermama kann gerade noch eingreifen und rückt ihre Escarapela zurecht. Alle erheben die Gläser. „Viva la patria!“

Und morgen? Da wird wieder demonstriert.

 

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