El Chaltén – Wandern im Tal des Río Eléctrico (Teil 3)

Abseits der Hauptrouten findet man in der Gegend um El Chaltén auch verschwiegenere Pfade, so zum Beispiel im Tal des Eléctrico Flusses – meinem Lieblingstal zum Kraft- und Energiereserven Auftanken. Dies ist der letzte Teil meiner El-Chaltén-Artikelserie. Im ersten Teil habe ich dir allgemeine Infos über El Chaltén gegeben, im zweiten Teil habe ich die klassischen Tageswanderungen beschrieben. Nun verlassen wir die Fitz Roy Ostseite und wandern im Nachbartal weiter.

 

Paso del Cuadrado, El Chaltén, Patagonien
Das Valle del Río Eléctrico ist Ausgangspunkt für spektakuläre Wanderungen abseits der ausgetrampelten Pfade

El Chaltén: wandern abseits der Massen

In diesem Artikel erwarten dich weniger frequentierte Wanderungen im Tal des Río Eléctrico:

  • Refugio Piedra del Fraile
  • Laguna Pollone
  • Paso del Cuadrado
  • Sowie eine 3-Tages-Wanderung vom Piedra del Fraile zu den Basislagern von Fitz Roy & Cerro Torre
  • und weitere Aktivitäten in Chaltén & Umgebung

Cerro Fitz Roy, Paso del Cuadrado
Während sich die Massen an der Laguna de los Tres tummeln, hat man den Blick auf den Fitz am Piedra Negra meist für sich ganz allein

Refugio Piedra del Fraile im Valle del Río Eléctrico

Einer meiner Lieblingsorte in der Nähe von El Chaltén ist das Tal Valle del Río Eléctrico. Dort kannst du schöne Wanderungen abseits der Massen unternehmen. Die Kleinbusse, die mehrmals täglich von El Chaltén zum Lago del Desierto fahren, nehmen dich mit (im Hochsommer vorher reservieren! Infos erhältst du in deiner Unterkunft / der Touri-Info). Du sagst dem Fahrer, dass du zum „Refugio Piedra del Fraile“ möchtest, dann lässt er dich inmitten einer malerischen Bergwelt an einer Brücke aussteigen.

 

Río Eléctrico, El Chaltén
Die Wanderung zum Refugio Piedra del Fraile führt gemächlich am Río Eléctrico entlang.

Der Weg zur Hütte ist bestens markiert und ausgeschildert. Nach 2 Stunden entlang des türkisfarbenen Río Eléctrico und durch einen schönen Südbuchenwald ist das idyllisch gelegene Refugio in Sicht. Du kannst hier zelten oder im Schlafsaal übernachten.

Wer nicht selbst kochen möchte: von Frühstück über Mittagessen bis hin zu köstlicher Pizza oder Linseneintopf am Abend ist für dein leibliches Wohl bestens gesorgt. Nach einem anstrengenden Wandertag ist ein Bier oder ein Glas Wein unter dem einzigartigen Sternenhimmel das absolute Nonplusultra.

Die Preise entsprechen ungefähr denen in El Chaltén.

Weitere Infos zum Refugio findest du auf der Webseite Refugios de la Patagonia.

 

Refugio Piedra del Fraile, El Chaltén
Das Refugio Piedra del Fraile liegt idyllisch im Eléctrico-Tal. Hier kann gezeltet oder in Mehrbettzimmern übernachtet werden.

Wanderungen im Valle del Río Eléctrico

Das gesamte Tal wird wahrscheinlich bald in den Nationalpark Los Glaciares aufgenommen, neue Wanderwege sind ebenfalls geplant. Wenn es soweit ist, berichte ich natürlich darüber. Bis dahin stelle ich dir meine zwei Lieblingswanderungen im Tal vor.

 

Wichtig: Bevor du loswanderst, frag die Hüttenwirte unbedingt nach der Wegbeschaffenheit!

 

Mirador Piedra del Fraile, El Chaltén
Vom Mirador beim Refugio genießt man einen wunderschönen Blick über das Tal und den Marconi Gletscher

1. Laguna Pollone: für Genusswanderer

Vom Refugio aus führt der Weg zunächst am Fluss entlang durchs Tal. Über ein Geröllfeld gewinnen wir bald an Höhe. Hier werden die Steinmännchen, die den Weg weisen, spärlicher und sind zwischen den Felsen oft kaum auszumachen. Verlaufen kann man sich trotzdem nicht. Den Fluss zu unserer Rechten folgen wir einfach dem Verlauf des schmalen Tals.

 

Bald ist der Lago Eléctrico in Sicht, zu dem wir aber nicht ganz absteigen. Wir halten uns links des Río Pollone und erreichen nach ein bisschen Kraxelei über Felsen die Laguna Pollone mit Blick auf den Fitz Roy und die Aguja Pollone. Außerdem sieht man von hier oben auch die Ausläufer des patagonischen Eisfeldes.

 

Wer möchte, kann anschließend zum See absteigen und dort die Nachmittagssonne genießen.

Wanderer mit sehr guter Kondition und entsprechender Erfahrung in weglosem Gelände können hier auch den Pollone Fluss durchqueren und bis zum Talschluss am Marconi Gletscher wandern. Aber Achtung, der eiskalte Fluss hat eine sehr starke Strömung und das Wasser reicht nicht selten bis zur die Hüfte – er kann nicht immer gequert werden.

 

Laguna Pollone, El Chaltén
Laguna Pollone mit Blick auf Fitz Roy (links) und Aguja Pollone (rechts) - vom Trubel in Chaltén keine Spur

Diese Wanderung ist lang und anstrengend, es wartet noch eine weitere Flussquerung, Wegmarkierungen sind absolute Fehlanzeige. Man sollte sich in felsigem und exponiertem Terrain gut auskennen, entsprechende Ausrüstung mit sich führen und Erfahrung im Schnee haben. Und spätestens am Marconi ist ohne Guide Schluss, denn hier beginnt das Eisfeld, das nur mit besonderer Genehmigung und erfahrenem Bergführer begangen werden darf (s. hierzu auch den Absatz über die Bergrettung in Chaltén im 1. Artikel).

 

2. Paso del Cuadrado: für ambitionierte Wanderer

  • Ausgangspunkt: Refugio Piedra del Fraile
  • Höchster Punkt: Paso del Cuadrado, 1730 m
  • Höhenunterschied: ca. 1200 m sowohl im Auf- als auch im Abstieg
  • Gehzeit: ca. 6 Stunden
  • Schwierigkeit: schwer

Paso del Cuadrado, El Chaltén
Links im Bild die quatratische Felsformation, die dem Paso del Cuadrado seinen Namen gibt, rechts davon liegt die Scharte

Wegbeschreibung Piedra del Fraile – Paso del Cuadrado

Vorab: Bevor du diese Tour angehst, sprich auf jeden Fall mit den Hüttenwirten! Sie wissen, ob der Pass aktuell begehbar ist. Wenn sie davon abraten, dann sollte ihr Nein auch akzeptiert werden. Außerdem müssen sie im Falle eines Notfalls wissen, wo du dich befindest.

Der Paso del Cuadrado ist ein 1750 m hoher Übergang zur Westwand des Fitz Roy und bietet einen einzigartigen Blick „hinter die Kulissen“: scharfe Granitnadeln, Felsen, Gletscher – eine unwirtliche und dennoch beeindruckende Welt.

 

Ganz in der Nähe des Piedra del Fraile beginnt der Pfad, der sich sofort über Wiesen sehr steil nach oben windet (ist am Refugio ausgeschildert). Erst nach etwa 1 Stunde wird es ein klein wenig flacher. Die Verschnaufpause dauert allerdings nur kurz an. Nun geht es in Kehren über loses Geröll weiter steil nach oben.

Mit jedem Höhenmeter wird der Blick grandioser: die Laguna Azul des privaten Naturreservats Huemul und die vergletscherten Gipfel des patagonischen Eisfeldes im Rücken, den immer größer und mächtiger werdenden Fitz Roy unmittelbar vor uns.

 

Aber noch lange sind wir nicht am Ziel. Nach etwa 3 Stunden erreichen wir schon etwas erschöpft endlich den Biwakplatz Piedra Negra, von wo aus sich die Kletterer auf den Weg machen, den Fitz zu erobern. Allein bis hierher lohnt sich der Aufstieg. Viele Wanderer verweilen auch einfach nur an der Lagune mit Blick auf den Fitz Roy und steigen dann wieder ab. Im Gegensatz zur überlaufenen Laguna de los Tres, genießt man dieses spektakuläre Panorama meist für sich allein.

 

Um auf den Pass selbst zu gelangen, sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Erfahrung in Fels und Schnee absolute Pflicht. Es gibt hier kaum Wegmarkierungen. Zunächst queren wir die Endmoräne des Gletschers in westlicher Richtung, anschließend geht es über Felsen und ein Schneefeld bis zu der neben einem gigantischen quadratischen Felsen (besagter „Cuadrado“) gelegenen Scharte.

 

Blick von der Scharte, rechts die Felsen des namensgebenden "Cuadrado"
Blick von der Scharte, rechts die Felsen des namensgebenden "Cuadrado"

Als wir im Spätsommer 2021 dort waren, lag leider kaum noch Schnee. Der gesamte Weg war stark vergletschert und von Gletscherspalten durchzogen. Ohne Steigeisen und die nötigen Expertise führte natürlich kein Weg über den Gletscher. So mussten wir uns stattdessen unseren eigenen Weg über die Felsen suchen, was ich als extrem anstrengend empfand – physisch wie mental. Im Zweifel gilt wie immer am Berg: lieber umdrehen.

Kurz vor dem Pass müssen noch ein paar steile Felswände erkraxelt werden, dann ist man oben, am wahrscheinlich atemberaubendsten Aussichtspunkt, den die Region um Chaltén für Nicht-Kletterer zu bieten hat.

Der Abstieg erfolgt auf demselben Weg.

Nach dieser Tour schmecken Bier und Pizza im Refugio doppelt und dreifach gut!

 

Gut zu wissen: Der Paso del Cuadrado darf offiziell nur mit Guide begangen werden. In der Touristeninfo in Chaltén wird dir das wahrscheinlich jeder sagen. Sprich daher direkt mit den Hüttenwirten, wenn du die Tour ohne Guide machen möchtest. Wenn du unsicher bist und dir die Erfahrung fehlt, kannst du entweder nur bis zum Piedra Negra wandern oder die Tour zusammen mit einem Guide machen. Dann startet ihr in den meisten Fällen von Chaltén, die Wanderung dauert in diesem Fall locker 12 Stunden.

 

Blick auf Aguja Pollone, Paso del Cuadrado
Der Blick vom Paso del Cuadrado gehört zum Eindrucksvollsten, was die Region um Chaltén zu bieten hat
Blick auf Cerro Torre und Pollone, Paso del Cuadrado
Unwirtlich & atemberaubend: eine Welt aus Granitfelsen & Eis am Paso del Cuadrado, in der Bildmitte Cerro Torre (links) & Aguja Pollone
Blick auf Fitz Roy und Cerro Torre, Paso del Cuadrado
links im Bild Giullaumet, Mermoz, Fitz Roy, mittig im Hintegrund thront der Cerro Torre

3. Vom Piedra del Fraile bis zur Laguna Torre (3 Tage)

Bevor ich diese Tour beschreibe, muss ich direkt eine Warnung aussprechen, denn die erste Etappe vom Piedra del Fraile bis zum Gletscher Piedras Blancas in der Nähe des Camps Poincenot ist kein offizieller Wanderweg, sondern Privatgrundstück. Das bedeutet im Klartext: eigentlich ist es verboten, dort zu wandern. Deswegen wirst du in Chaltén auch keine Infos darüber erhalten. Wenn dir auf diesem Weg etwas zustoßen sollte, könnten ernsthafte Probleme auf dich zukommen.

Jenseits der Welt der Regeln sieht alles etwas anders aus: es ist kein Geheimnis, dass es diesen Weg gibt, und er wird begangen.

 

Südbuchenwald, Patagonien
Durch einen verwunschenen Wald mit knorrigen Südbuchen: vom Refugio Piedral del Fraile über Camp Poincenot zum Camp Agostini (3 Tage)

Sprich aber auch hier unbedingt vorher mit den Hüttenwirten im Refugio über deine Pläne. Wenn sie sagen, dass der Pfad zugewuchert oder aus sonstigen Gründen nicht begehbar ist, dann lass es sein. Außerdem ist eine gute Vorbereitung hier das A und O. Lade dir vorher den GPS-Track herunter, denn die Markierungen sind spärlich, und versorge dich mit gutem Kartenmaterial. Ein Kompass gehört ebenfalls in den Rucksack. Empfehlenswert ist auch ein Funkgerät, denn dann kannst du die Hüttenwirte informieren, wenn du gut am Poincenot angekommen bist.

 

Immer wieder zeigt sich die scharfe Spitze des Fitz Roy
Immer wieder zeigt sich die scharfe Spitze des Fitz Roy

Wegbeschreibung:

Die Wanderung ist bis auf eine anspruchsvolle Stelle technisch nicht schwer. Der Pfad windet sich sanft bergauf und -ab durch einen unberührten Südbuchenwald. Am Río Blanco angekommen, folgen wir dem Fluss über Waldwege und Geröll. Nun kommt die schwierige Passage, denn wir müssen den Fluss queren. Dieser hat starke Strömungen und du solltest die Stelle, an der du queren willst, genauestens analysieren. Worauf du bei Flussquerungen achten musst, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

Beim letzten Mal, als wir diese Tour machten, war der Fluss stark angeschwollen, die Strömung ebenfalls sehr stark.

Die Folge: Mein Gepäck und ich sind im gletscherkalten Wasser baden gegangen.

 

Río Blanco, El Chaltén
Wir folgen dem Río Blanco und kommen bald am Camp Poincenot an, wo gezeltet werden darf (kostenlos)

Es ist zum Glück nichts passiert, aber das ist natürlich nicht ganz ungefährlich. Ab dem Glaciar Piedras Blancas führt der Weg über Geröll bis zum Camp Poincenot, wo man kostenlos zelten kann (Plumpsklo vorhanden).

Am nächsten Tag folgen wir zunächst den Schildern Richtung El Chaltén, bis sich der Weg gabelt und wir den rechten Pfad Richtung Laguna Madre und Camp Agostini einschlagen.

 

Campament Poincenot, El Chaltén
Tag 1: vom Refugio Piedra del Fraile zum Camp Poincenot (kein offiziell ausgeschriebener Wanderweg)

Wenn das Wetter mitspielt, kannst du deinem müden Körper ein Bad in der kalten Laguna Madre oder der etwas kleineren Laguna Hija gönnen. Hier nimmst du Abschied vom Fitz, der von nun an im Schatten des Loma de las Pizarras verschwindet.

Auf und Ab durch einen schönen Wald trifft der Pfad bald auf den Normalweg zum Camp Agostini, die letzte Station der dreitägigen Wanderung.

 

Gut zu wissen: Im Januar und Februar sind die Zeltplätze oft völlig überlaufen. Im November oder Dezember liegt hingegen häufig noch viel Schnee. Im März und April kann das Wetter schnell umschlagen. Regen und keine Sicht auf die Berge können einem die Tour ganz schön vermiesen. Es gehört einfach ein bisschen Wetter-Glück dazu...

 

Tag 2: vom Camp Poincenot zum Camp Agostini an der Laguna Torre, hier der Cerro Torre im Morgenlicht
Tag 2: vom Camp Poincenot zum Camp Agostini an der Laguna Torre, hier der Cerro Torre im Morgenlicht

Was du sonst noch in El Chaltén unternehmen kannst:

  • Wenn du richtig fit bist, viel Zeit, einen starken Rücken und einen gut gefüllten Geldbeutel hast, kannst du in ca. 8 Tagen auf dem patagonischen Eisfeld rund um den Cerro Torre wandern. Selbstverständlich nur mit zertifiziertem Bergführer! Spezielle Ausrüstung wird gestellt. Infos dazu erhältst du in Chaltén.

  • Mit oder ohne Guide: der abgeschiedene 4-tägige Huemul-Trek. Hier brauchst du spezielle Ausrüstung wie einen Klettergurt, Bandschlinge und Schraubkarabiner, da 2 Flüsse via Tirolesa (Seilrutsche) gequert werden müssen. Außerdem: gutes Orientierungsvermögen, sehr gute Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und entsprechende Erfahrung in wildem Gelände. Du brauchst für den Trek eine Genehmigung der Nationalparkverwaltung. Diese prüft auch deine Ausrüstung. Allein darfst du die Tour aus nachvollziehbaren Gründen nicht unternehmen (erst ab 2 Personen).

Die 4-tägige Umrundung des Cerro Huemul (Berg in der Bildmitte) erfordert Kondition, Trittsicherheit & Erfahrung in wildem Gelände
Die 4-tägige Umrundung des Cerro Huemul (Berg in der Bildmitte) erfordert Kondition, Trittsicherheit & Erfahrung in wildem Gelände
  • Ausflug ins private Naturreservat Los Huemules nördlich des Río Eléctrico (z.B. Laguna Azul, Refugio & Gletscher Cagliero, auch eine Gletscher Wanderung kann dort gebucht werden, ist allerdings etwas kostspielig)
  • Ausflug zum Lago del Desierto. Dort Wanderungen zur Laguna Huemul oder zum Nordufer des Sees, Katamaranfahrt zum Nordufer, alternativ zum Wandern: mit dem Bus zum See und mit dem Fahrrad zurück nach El Chaltén (37 km, Schotterstraße)
  • Reittouren, Klettern, Biken und alles, was das Outdoorherz begehrt. Infos erhältst du in deiner Unterkunft oder der Touri-Info in Chaltén

Rund um El Chaltén gibt es viele tolle Ausflugsmöglichkeiten für Naturliebhaber, hier das Nordufer des Lago del Desierto
Rund um El Chaltén gibt es viele tolle Ausflugsmöglichkeiten für Naturliebhaber, hier das Nordufer des Lago del Desierto

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