Auto mieten in Argentinien – der Traum vom Roadtrip

Viele träumen davon, Argentinien mit dem Auto zu erkunden. Das verströmt den Geruch von grenzenloser Freiheit, dort zu bleiben, wo es einem gefällt, Pläne spontan über Bord zu werfen und versteckte Orte aufzuspüren. Gerade in einem Land, das so groß und facettenreich ist wie Argentinien.

In diesem Artikel gebe ich Dir Tipps und zeige Dir, was Du beachten solltest, wenn Du ein Auto in Argentinien mieten möchtest oder vielleicht sogar mit Deinem eigenen Auto unterwegs bist.

Wer mit dem Auto in Argentinien unterwegs ist und dafür nur einen gewissen Zeitrahmen zur Verfügung hat, sollte sich vorab möglichst genau überlegen, wohin die Reise gehen soll.

Die wichtigsten Punkte rund um die Planung und zum Mieten von Autos in Argentinien habe ich hier für Dich zusammengefasst.

Auto mieten in Argentinien: Anbieter, Preise, Führerschein

Autovermietungen gibt es in allen größeren Städten, darunter viele internationale Anbieter wie Hertz, Avis, Sixt etc. Diese sind in der Regel vertrauenswürdig. Im Zeitalter des ständigen Sternchen-vergebens und Bewertens kann es sich kaum einer leisten, schlechte Kritiken einzufangen. Die Reservierung kann online vorgenommen werden, direkt auf der Seite der Autovermietungen oder auf den gängigen Portalen. Am einfachsten ist googeln, Preise vergleichen, reservieren. ;-)

 

Der Fahrer muss mindestens 21 Jahre alt sein und seit mindestens einem Jahr einen Führerschein besitzen. Bei einigen Autovermietern fallen zusätzliche Gebühren an bei Fahrern unter 25 Jahren, ebenso bei weiteren Fahrern (das sollte vor der Reservierung geklärt werden, um böse Überraschungen zu vermeiden).

 

In der Regel muss man bei der Abholstation den Führerschein des Heimatlandes und einen internationalen Führerschein vorzeigen.

 

Was man vorher wissen sollte: In Argentinien ein Auto zu mieten ist zum Teil um einiges teurer als in Europa (70 Euro pro Tag für einen Kleinwagen ist keine Seltenheit). Meist ist es günstiger, mit dem Fernbus zu reisen. Aber mit dem „eigenen“ Auto – das hat schon was! :-)

Auto mieten in Argentinien: PKW oder Geländewagen?

Überlege Dir wie gesagt am besten vorher, wohin Du fahren möchtest. Bist Du hauptsächlich auf asphaltierten Straßen unterwegs? Dann reicht ein normaler PKW. Suchst Du das Abenteuer auf Schotterstraßen, Schlaglochpisten und Wegen, die eher an Flüsse als an Straßen erinnern? Dann ist Allradantrieb empfehlenswert.

 

Dass es auch ohne geht, davon kann unser Gol ein Liedchen singen, der uns im Februar auf mehr als 7000 Kilometer mit viel, viel Schotter

(10 km/h – wenn das kein langsames Reisen ist!) treu durch Patagonien geführt hat.

Zusätzliche Kosten bei Einwegmieten

Rückführungskosten“ entstehen, wenn Du den Mietwagen an einem anderen Ort abgibst, als Du ihn angenommen hast. Aufgrund der großen Distanzen innerhalb Argentiniens können hier nochmals ordentliche Kosten anfallen.

Nicht bei jedem Anbieter ist die Einwegmiete möglich.

Grenzübertritt mit dem Mietwagen

Wer einen Grenzübertritt plant, z.B. nach Chile, muss das bei der Reservierung angeben, da das erstens nicht bei jedem Anbieter möglich ist und zweitens zusätzliche Kosten anfallen.

Wenn Du länger unterwegs bist, zwischen Chile und Argentinien „pendeln“ wirst und gern auch im Wagen schläfst, lohnt es sich vielleicht, auf der Seite von Wicked Campers vorbeizuschauen. Diesen Anbieter gibt es in Chile. Dass der Grenzübertritt nach Argentinien aber möglich ist, beweisen die vielen knallbunten Vans, die man in Südargentinien zu Gesicht bekommt.

Straßenzustand, Verkehrsnetz, Maut, Distanzen & Kartenmaterial

Straßen rund um größere Städte sind in der Regel gut ausgebaut. Abseits größerer Ortschaften oder vielbefahrener Straßen sind oft Schotterpisten vorzufinden. Aber auch auf vielbefahrenen Straßen sind z.B. Schlaglöcher keine Seltenheit.

Zudem sind Geschwindigkeitsbarrieren wie die häufigen Bremsschwellen („lomas de burro“) oft nicht ausreichend gekennzeichnet.

 

Gute Straßenkarten, auch für Teilstrecken, gibt es beim argentinischen Automobilclub (ACA).

 

Über den aktuellen Straßenzustand kannst Du Dich auf der Seite der Vialidad Nacional informieren.

 

Die Distanzen in Argentinien werden häufig unterschätzt. Was auf der Karte aussieht wie ein Katzensprung, sind in Wirklichkeit oft mehrere Hundert Kilometer (Schotter). Informiere Dich daher genau, wie lange man von A nach B braucht. Fahrzeiten, Distanzen und durchschnittliche Spritkosten können bei Ruta 0 abgerufen werden.

 

Viele Fernstraßen haben ihren „kilómetro zero“ in Buenos Aires und führen sternförmig von der argentinischen Hauptstadt weg.

Das Straßennetz ist gegliedert in Nationalstraßen (rutas nacionales, RN) und Provinzstraßen (rutas provinciales, RP).

 

Die meisten Autobahnen (autopistas) werden ebenfalls als National- oder Provinzstraßen geführt, oft mit einem „A“ vor der Nummerierung.

Viele Fernstraßen wurden in den 1990er Jahren privatisiert. Auf diesen fallen Mautgebühren an, die direkt an der Mautstation bezahlt werden.

Die wichtigsten Rutas Nacionales sind:

  • RN 3: von Buenos Aires nach Ushuaia (Feuerland), verläuft größtenteils entlang der Küste
  • RN 7: von Buenos Aires nach Mendoza, wichtigste Ost-West-Verbindung
  • RN 9: von Buenos Aires nach La Quiaca (Grenzübergang nach Bolivien, Provinz Jujuy), verläuft durch viele Provinzhautstädte und andere bedeutende Städte
  • RN 14: eine Art Verlängerung der RN 3 in den nordöstlichen Provinzen, von Buenos Aires nach Bernardo de Irigoyen (Grenzübergang nach Brasilien, Provinz Misiones)
  • RN 40: Was die Route 66 für die USA ist, ist die "Cuarenta" für Argentinien: Eine Traumstraße für Abenteurer, die das Unterwegssein lieben. Mit über 5000 Km die längste Straße Argentiniens, von Cabo Vírgenes (bei Río Gallegos, Provinz Santa Cruz) nach La Quiaca. Verläuft durch 11 Provinzen, führt vorbei an mehr als 20 Nationalparks, höchster Punkt auf fast 5000 m ü. M.

Geschwindigkeitsbegrenzung in Argentinien für PKWs

Die Höchstgeschwindigkeiten betragen in Argentinien (wenn nicht anders angegeben):

  • innerorts: 40-60 km/h
  • Landstraße: 110 km/h
  • Schnellstraße: 120 km/h
  • Autobahn: 130 km/h

Mit dem Auto durch Argentinien: Wo Tankstellen zu Oasen werden

Zur vorherigen Planung gehört auch, in Erfahrung zu bringen, wo es Tankstellen gibt.

Gerade in den einsamen Weiten Patagoniens sind Tankstellen so was wie Oasen: immer gern gesehen, aber leider viel zu selten.

Auf Schotterpisten oder in großen Höhen steigt der Spritverbrauch.

All diese Dinge sollten vorab geklärt werden. Es empfiehlt sich in solchen Fällen unbedingt, einen extra Benzinkanister mitzunehmen.

Auf unserer Patagonienreise im Februar haben wir den Verbrauch auf Schotterstraßen um einiges unterschätzt und waren dann, 250 Kilometer von der nächsten Ortschaft mit Tankstelle entfernt, sehr froh über den vollen Benzinkanister im Kofferraum.

 

Öffnungszeiten von Tankstellen in Argentinien: An Autobahnen sind die Tankstellen meist rund um die Uhr geöffnet, an weniger befahrenen Straßen von ca. 7-23 Uhr.

 

Spritpreise in Argentinien: Die Preise unterschieden sich von Provinz zu Provinz leicht. Ende August 2019 lag der Preis für Nafta (Benzin) in Buenos Aires bei rund 44 Pesos und für Diesel bei 41 Pesos pro Liter, umgerechnet zwischen ca. 0,60-0,70 Euro.

In den nächsten Wochen werden die Spritpreise aber mit Sicherheit deutlich ansteigen, hinzu kommen die ständigen Kursschwankungen, die eine fixe Umrechnung von Pesos in Euro über einen längeren Zeitraum hinweg beinahe unmöglich macht.

 

Tipp: Hilfreich ist die App Precios en surtidor, wo man die tagesaktuellen Preise je nach Standort, Tankstelle und Sprit ermitteln kann.

Improvisierte Tankstelle mitten im patagonischen Nirgendwo
Improvisierte Tankstelle mitten im patagonischen Nirgendwo

Polizeikontrollen in Argentinien oder: Licht ist Pflicht

Das Mietauto sollte bei Abholung natürlich auf eventuelle Schäden überprüft werden.

Warndreieck, Feuerlöscher, Warnweste und Verbandskasten müssen mitgeführt werden.

 

 

Nimm Dir dafür Zeit, es erspart Dir hinterher eventuell ein paar Probleme (und Nerven). Da spreche ich aus eigener Erfahrung:

Als ich in Calafate am Flughafen für ein paar Tage ein Auto gemietet habe, habe ich nicht überprüft, ob die Lichter gehen (shame on me, ich weiß, ich habs tatsächlich einfach vergessen).

 

In Argentinien ist es Pflicht, mit Licht zu fahren, auch tagsüber.

 

Das wusste ich zwar, bin das ganze aber wohl instinktiv zu argentinisch angegangen: Das Gesetz ist Interpretationssache.

Die Sonne stand hoch am Himmel und ich habe einfach vergessen, das Licht anzumachen. Das hat drei Tage lang auch niemanden gestört.

Bis auf die Polizisten, die mich auf dem Weg zum Flughafen anhielten und mich auf meine Fahrlässigkeit aufmerksam machten.

Mist, ich war wie immer viel zu knapp dran. Mein Flieger nach Buenos Aires ging bald und nun musste ich hier mitten im Nirgendwo Paragraphen wälzen.

Straßenkontrollen durch die Polizei sind übrigens keine Seltenheit in Argentinien.

 

Um die Sache in solchen Fällen zu beschleunigen hilft nur eines: nachsichtig sein, dem Argentinier Recht geben, das eigene Unrecht eingestehen, sich entschuldigen.

Unwissenheit schützt zwar weder vor Strafe noch vor Dummheit, aber in dem man seine Unwissenheit beteuernd den deutschen Pass ins Spiel bringt, regelt sich das meist von allein. Nun war nicht mehr ich Schuld, sondern die Autovermietung, die mir einen solchen Wagen „untergejubelt“ hatte.

Hier eine Unterschrift, da ein Stempel, dann durfte ich weiterfahren – nicht ohne den gut gemeinten Tipp des Argentiniers: „Vertraue niemals einem Argentinier! Auch keinem mit vielen schönen Autos zu günstigen Preisen.“

 

Während einer anderen Reise durchs Nirgendwo der Provinz Córdoba legte sich mein argentinischer Bekannter und Fahrer mit einem Polizisten an, der ihn auf irgendwas hinwies, was mit dem Licht nicht in Ordnung war („In Córdoba gelten eben andere Gesetze als in Buenos Aires“).

Ganz schlechte Idee! Natürlich saß der Polizist am längeren Hebel.

Er ließ uns nicht weiterfahren und wir verbrachten den halben Tag Däumchen drehend irgendwo auf einer verlassenen Straße in den Sierras.

Um Stunden später einfach weitergewunken zu werden.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Sich bei einer Verkehrskontrolle mit der Polizei anzulegen, ist zwecklos. ;-)

Weitere Verkehrsregeln in Argentinien

Das mit den Verkehrsregeln ist in Argentinien so eine Sache. Natürlich gibt es sie. Und in der Theorie sehen sie gar nicht mal so anders aus als in Deutschland. In der Praxis greifen dann aber doch häufig andere Regeln.

 

Nehmen wir mal die Regel „Rechts vor Links“. Die gibt es. Wird aber selten eingehalten.

Vorfahrt kann hier haben: wer ein größeres, älteres, neueres, schnelleres Auto oder ein besseres Reaktionsvermögen hat.

Zudem werden viele Regeln auch per Blickkontakt zwischen den Fahrern neu definiert.

 

Was Du sonst noch wissen solltest: Auf einer vierspurigen Straße haben locker sechs Autos Platz, Zebrastreifen sind eine schöne Art, die Straße zu schmücken, durch Hupen und Drängeln geht alles schneller, auf der Autobahn darf gerne auch rechts überholt werden, Geschwindigkeitsbegrenzungen können als Richtwert interpretiert werden, wild gestikulieren und fluchen hilft immer!

 

Autofahren in großen argentinischen Städten erfordert also höchste Aufmerksamkeit.

Auf den schnurgeraden Straßen außerhalb der Städte muss man hingegen eher gegen die Müdigkeit ankämpfen. Außerdem kommt es hier öfter zu unliebsamen Zusammentreffen mit Tieren auf der Fahrbahn.

Und noch ein paar grundsätzliche Dinge:

  • In Buenos Aires und in anderen größeren Städten arbeiten sogenannte „trapitos“, (selbst ernannte) Parkwächter, die auch dann ein Trinkgeld erwarten, wenn Du auf einer öffentlichen Straße parkst.
  • An Ampeln bieten in größeren Städten oft Fensterputzer ihre Dienste an. Wenn Du nicht möchtest, dass Deine Scheiben gereinigt werden, dann gib das mit einer deutlichen Handbewegung zu verstehen. Andernfalls wird ein Trinkgeld erwartet.
  • In den meisten argentinischen Städten verlaufen die Straßen im Schachbrettmuster. Dementsprechend gibt es viele Einbahnstraßen.
  • An Bordsteinen, die gelb angestrichen sind (oder auch nur den entferntesten Hauch von Gelb versprühen), gilt Halte- und Parkverbot – und der Abschleppdienst hier ist schnell!
  • Lass keine Wertsachen im Auto zurück, auch nicht die Fahrzeugpapiere und führe den Mietvertrag des Wagens immer bei dir.

Ich hoffe, damit konnte ich Dir ein bisschen weiterhelfen! Bei Fragen kannst Du mir natürlich auch jederzeit gerne einen Kommentar hinterlassen oder eine Mail schreiben.

 

Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen: BUEN VIAJE!!!

 

Hast Du auch schon mal ein Auto in Argentinien gemietet? Dann teile Deine Erfahrungen mit uns in den Kommentaren!

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