El Calafate & Perito Moreno Gletscher

Der Perito Moreno Gletscher im Nationalpark Los Glaciares ist eines der Highlights in Argentinien. Es ist weder der größte noch der älteste Gletscher, aber kaum einem anderen Gletscher dieser Dimensionen kommt man so nah. So kann man diese Sinfonie aus allen erdenklichen Blau und Weiß Tönen aus nächster Nähe und unterschiedlichen Perspektiven genießen und im Fotoalbum der Erinnerung abspeichern.

Es ist ganz still, keiner spricht. 30 Augenpaare starren gespannt auf die weiße Wand, die Kamera zum Abdrücken bereit. Der Perito Moreno tut seinen Zuschauern den Gefallen: Als würde ihm der Magen knurren, erfüllen wie aus dem Nichts lautes Krachen und Donnern die Luft, kündigen an, was gleich passieren wird.

Unter staunendem und schrillem „aaaah“, „oooooh“, „wooooow“ und „knips, knips, knips“ stürzt ein großes Stück der Gletscherwand ins Wasser und löst ein paar stürmische Wellen aus, die das Boot zum Schaukeln bringen. Die Eisscholle schlägt noch einen kleinen Purzelbaum, dann scheint sie eine bequeme Lage auf dem Wasser gefunden zu haben.

Es kehrt wieder Stille ein.

 

Auch bei meinem vierten Besuch hat der Perito Moreno Gletscher nichts von seinem Zauber verloren. Jedes Mal sieht er anders aus. Egal zu welcher Jahreszeit und in welchem Licht, diese weiße Welt an der Grenze zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit zieht mich immer aufs Neue in ihren Bann.

Lohnt sich der Besuch des Perito Moreno Gletschers?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Aus zwei Gründen: Erstens, Patagonien ist teuer. Und El Calafate ist ein touristischer Hotspot. Deswegen ist alles in und um Calafate teurer als in einem verlassenen Dorf in der patagonischen Steppe. Der Blick in den eigenen Geldbeutel verrät, ob ein Gletscher Besuch drin ist. Wenn ja: Verliere keinen weiteren Gedanken ans Geld und mach’s einfach! Du wirst diesen Gletscher wahrscheinlich nie wieder vergessen! Vorausgesetzt, Du hast das Staunen nicht verlernt :-).

 

Zweites, der Perito Moreno Gletscher bei El Calafate ist kein Geheimtipp. Es ist wohl einer der meistbesuchten Orte in ganz Argentinien. So ein Ort bleibt einfach nicht lange geheim.

 

„Das ist mir zu touristisch“, scheint einer der Lieblingssätze der Reisenden aus Deutschland zu sein. Zumindest höre ich ihn ständig. Wer andere Touristen meiden möchte, dem empfehle ich, einen Ausflug nach Santo Domingo in der Provinz Buenos Aires zu machen (Artikel folgt). Dort gibt es ein paar Häuser, eine Plaza, einen verlassenen Bahnhof und wirklich überhaupt keine Touristen.

 

Allen, die sich von einem einzigartigen Naturschauspiel hinreißen lassen wollen – und die anderen Staunenden ausblenden können – kann ich nur sagen: Geht zum Perito Moreno Gletscher! Ich schicke alle, die zum ersten Mal in Argentinien sind, dorthin. Und bisher sind alle emotional aufgewühlt, etwas verwirrt und vor allem überglücklich zurückgehrt.

El Calafate

Ausgangspunkt für Touren zum Perito Moreno Gletscher ist das Städtchen El Calafate am türkis schimmernden Lago Argentino. Er ist etwa dreimal so groß wie der Bodensee und der größte See Argentiniens. Für die Tour zum Gletscher sollte man einen Tag einplanen.

Wer bis hierher gereist ist, sollte sich noch ein bis zwei Tage Zeit nehmen, um die Gegend zu erkunden.

 

In den Hotels und Agenturen werden Tagesausflüge zu Estancias angeboten. Dort erhält man Einblicke in den Alltag der Estancieros, man kann bei der Schafschur zuschauen, die Gegend zu Fuß oder zu Pferd erkunden, sich ein typisch patagonisches Lamm-asado schmecken lassen und die Weite Patagoniens mit allen Sinnen aufsaugen. Über einen Tag auf einer Estancia berichtet Stefanie in ihrem Blog Worte und Orte.

Man kann auch Bootstouren zu anderen Gletschern, wie etwa dem Upsala, buchen. Wer mehr über die umliegenden Gletscher erfahren will, findet im Museum „Glaciarium“ Antworten auf seine Fragen.

 

Eine besonders naturintensive Erfahrung ist eine Reittour. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Eine kürzere Tour am Lago Argentino entlang oder eine fünfstündige Tour in die Tafelberge von El Calafate. An klaren Tagen sieht man von dort oben schemenhaft den Fitz Roy und die Torres del Paine im gleichnamigen chilenischen Nationalpark in den Himmel ragen.

 

Als ich die Tour vor ein paar Jahren machte, schien in El Calafate die Sonne, in den Bergen kamen wir mit unseren Pferden in einen heftigen Schneesturm, sodass wir die Tour für eine Weile unterbrechen mussten. Zwischen Sätteln und Trensen tranken wir mit dem Gaucho Mate, als der Schneesturm nachließ, ging es weiter. So wurde aus einer fünfstündigen eine unvergessliche Tagestour.

Ein sehr schöner Spaziergang führt von El Calafate durch das am Lago Argentino liegende Naturreservat „Laguna Nimez“. Der Weg schlängelt sich durch ein Meer aus duftenden Margeriten zum Seeufer. An der Lagune können Flamingos und viele andere Vögel beobachtet werden und man hat einen tollen Panoramablick auf El Calafate.

 

Unumstrittener Höhepunkte ist aber die Tour zum Perito Moreno Gletscher.

Tour zum Perito Moreno Gletscher

Der Perito Moreno Gletscher, der früher einmal Bismarck Gletscher hieß, liegt im 1937 gegründeten Nationalpark Los Glaciares. Von Calafate sind es 80 Kilometer. Man kann sich dem Gletscher auf verschiedene Arten nähern:

1. Aussichtsterrassen

Von der Península Magallanes genießt man einen wunderbaren Blick auf den Gletscher. Über ein System aus Stegen und Treppen kommt man der 70 Meter hohen Abbruchkante immer näher. Von diesen Aussichtspunkten aus betrachtet, verlieren sich sämtliche Größenordnungen im Nichts. Am Hafen sah das Boot noch riesig aus, jetzt, neben dem Gletscher, ist es nichts weiter als ein vom Spielzeugmenschen gebasteltes Papierboot.

2. Spaziergang vom Hafen zum Gletscher

Wer mit dem eigenen Fahrzeug anreist, muss am Hafen des Canal de los Témpanos parken. Von hier fahren kostenlose Shuttlebusse zum oberen Punkt der Aussichtsterrassen. Schön ist auch der kurze Spaziergang am Ufer dieses Seitenarmes des Lago Argentino, der ebenfalls an den Terrassen endet. Hier nähert man sich dem Gletscher zunächst von unten und gelangt dann über die Stege zum höchsten Aussichtspunkt.

3. Bootstour

Am Hafen des Canal de los Témpanos können einstündige Bootstouren gebucht werden. Das macht allerdings nur dann Sinn, wenn man die Trekkingtour nicht macht, denn da ist eine Bootstour schon inklusive.

4. Trekking auf dem Perito Moreno Gletscher

Mit Sicherheit die intensivste Erfahrung. Trekkingtouren werden von Hielo y Aventura angeboten, zur Auswahl stehen Big Ice (3 Stunden) und Mini Trekking (1,5 Stunden). Man fährt mit dem Boot von der Bahía de las Sombras ans gegenüberliegende Ufer des Brazo Rico, wo die Gruppen eingeteilt werden.

 

Der anschließende Spaziergang durch den Wald hat etwas Märchenhaftes, zumindest fühlt es sich nicht real an. Mich würde es nicht überraschen, unter einer Wurzel einen kleinen Gnom zu finden. Dazu der spektakuläre Blick auf die Gletscherwand. Weiße Eismasse, blaues Wasser, grüner Wald, patagonisches Farbspiel vom Feinsten.

Man bekommt Steigeisen und eine Einführung, wie man auf dem Gletscher gehen sollte. Und dann taucht man tief ein in diese unwirtliche Welt mit ihren bizarren Formen. Abgerundet wird das Spektakel mit einem Whisky on Ice.

Ein Gletscher, der noch wächst?

Dort, wo bis heute die Grenzziehung zwischen Chile und Argentinien noch nicht klar ausgehandelt ist, wo die Winde das Sagen haben, wo der Mensch nicht mehr ist als eine Nadel im Heuhaufen, wo die Welt zu Ende scheint – dort liegt das zweitgrößte Eisfeld der Südhalbkugel, das Campo de Hielo Sur.

 

Zu diesem unwirtlichen Gebiet gehören zahlreiche Auslassgletscher, unter anderem der Perito Moreno, der Buenos Aires mit seinen 258 km² flächenmäßig überlegen ist. Häufig hört und liest man, dass eine Besonderheit des Gletschers ist, dass er immer noch wächst. Das stimmt so nicht ganz.

Die Gletschermassen des Campo de Hielo Sur sind bis heute kaum wissenschaftlich untersucht. Klar ist aber, dass die patagonischen Eisfelder weltweit zu den Gletschern gehören, die am schnellsten wegschmelzen. Die Auswirkungen wird mit Sicherheit auch der Perito Moreno Gletscher irgendwann zu spüren bekommen.

 

Seit den ersten Aufzeichnungen 1917 konnte jedoch ein Gleichgewicht zwischen Wachsen und Schmelzen festgestellt werden. Die Massen an Eis, die der Lago Argentino verschluckt, kommen in etwa gleicher Menge mit dem Schnee, der über dem Campo de Hielo Sur fällt, wieder zurück.

Die Bewegungen des Gletschers sollten nicht mit Wachstum verwechselt werden. Der Gletscher ist permanent in Bewegung. Pro Tag werden Bewegungen von ca. 2,3 m in der Mitte und 0,35 m am Gletscherrand gemessen. Wenn die Gletscherzunge auf Land trifft, wird der natürliche Abfluss des Lago Argentino aufgestaut und formt eine natürlich Brücke – bis die Eismasse dem Wasserdruck nicht mehr standhält und einbricht.

 

In den letzten Jahren ist das alle 2-4 Jahre geschehen. Wobei auch diese Phänomen, die so genannte „ruptura“ bisher nicht wirklich fundiert untersucht  werden konnte.

Einige Dinge müssen vielleicht auch einfach ein Rätsel bleiben.

Neugierig geworden?

Ankunft in El Calafate

Calafate ist von fast überall in Argentinien mit Überlandbussen zu erreichen, es fahren auch Busse von/nach Puerto Natales (Chile). Mehrmals täglich Direktflüge von Buenos Aires.

Kleiner Tipp: Schau, dass Du am Fenster sitzt, aus der Vogelperspektive werden einem die Dimensionen der Provinz Santa Cruz auf ganz besondere Weise vor Augen geführt, der Landeanflug mit Blick auf den Lago Argentino, den Fitz Roy und die Anden ist einfach nur spektakulär!

Unterkunft in El Calafate

Die Unterkünfte reihen sich dicht an dicht, hier ist für jeden Geldbeutel und Geschmack was dabei. Im zentral gelegenen Bla Guesthouse oder im América del Sur Hostel trifft man Rucksackreisende aus der ganzen Welt.

Wer sich Luxus gönnen will, ist in den etwas außerhalb gelegenen Hotels Edenia Punta Soberana oder Design Suites richtig.

El Calafate: Klima & beste Reisezeit

Das Wetter macht, was es will. Vier Jahreszeiten an einem Tag sind immer drin. Am besten einfach Kleidung für jedes Wetter mitnehmen.

 

Beste Reisezeit: Oktober bis Mai, am stabilsten ist das Wetter im Januar/Februar, aber auch da hat man natürlich keine Garantie für Sonnenschein.

Touren zum Perito Moreno Gletscher

Die Agentur Hielo y Aventura bietet zwei Trekking Touren auf dem Gletscher an: Mini Trekking (1,5 Stunden) und Big Ice (3 Stunden).

Vor allem die Big Ice Tour sollte auf jeden Fall im Voraus reserviert werden, Mini Trekking in der Hauptsaison (Januar/Februar) auch. Die Reservierung ist über die Webseite von Hielo y Aventura möglich.

Du brauchst Handschuhe, Sonnenbrille, Sonnencreme, je nach Wetter eine Mütze, weitere Ausrüstung bekommst Du von Hielo y Aventura. Nach dem Trekking ist Zeit für ein Mittagessen, Du kannst ein kleines Lunch Paket mitnehmen.

 

ACHTUNG: Es gibt eine Altersbegrenzung beim Trekking!!! Big Ice: 50 Jahre, Minitrekking: 65. Das Alter muss bei Buchung angegeben werden, Pässe werden daraufhin kontrolliert.

 

Alle anderen Touren können in El Calafate, meist auch in den Unterkünften gebucht werden.

Nationalpark Los Glaciares

Der Eintritt in den Park ist i.d.R. bei den Touren nicht inbegriffen.

Tarif für Nicht-Argentinier: 600 Pesos (Oktober 2018). Aktuelle Preise kannst Du auf der Webseite der Parkverwaltung abrufen.

Auto mieten in El Calafate

Wer gern individueller unterwegs ist, kann sich in El Calafate ein Auto mieten und selbst zum Gletscher fahren. Das ist natürlich besonders schön, weil man überall anhalten kann – und Plätze zum Verweilen und die Aussicht genießen gibt es tausende zwischen Calafate und dem Perito Moreno Gletscher. Es ist außerdem eine besondere Erfahrung, gegen die zum Teil sehr starken Seitenwinde zu lenken.

Autovermietungen:

Hertz: Av. del Libertador 1822

Avis: 9 de Julio 190

Nunatak: Gdor. Gregores 1075

Du willst noch mehr Fotos sehen? Hier kommst Du zur Bildergalerie.

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