Busfahren in Buenos Aires - gewusst wie!

Busfahren gehört – wie auch Geld abheben – zu den Dingen, die selbsterklärend sind. Eigentlich. Nicht aber in Buenos Aires.

Der Bus ist zwar nicht der schnellste, oft aber der unkomplizierteste Weg, in der argentinischen Hauptstadt von A nach B zu kommen. Kein Wunder, denn bei über 400 Buslinien kommst du auch dorthin, wo es keine subte (U-Bahn) gibt. Zugegeben, am Anfang ist das mit dem Busfahren aber gar nicht so einfach. Mit dieser kleinen Anleitung fährst du bald selbst durch die Straßen wie ein porteño.

Der Bus ist eine preiswerte (ca. 50 Euro-Cent pro Fahrt) und relativ unkomplizierte Art, die Stadt zu entdecken. Wichtig zu wissen: Es gibt in Buenos Aires keine Fahrpläne mit genauen Abfahrtszeiten. Die Busse fahren gefühlt wann und wie oft sie wollen. So kann es sein, dass Du gerade am Wochenende oder in der Nacht auch mal länger warten musst, dann aber fünf Busse derselben Linie auf einmal angefahren kommen. Aber immerhin fahren die Busse im Gegensatz zur U-Bahn (letzte Fahrt ca. 23.30 Uhr) die ganze Nacht.

Ohne SUBE geht es nicht

Die öffentlichen Verkehrsmittel werden in Buenos Aires ausschließlich mit der aufladbaren Sube-Karte bezahlt. Du bekommt sie auf der Post oder an manchen Kiosken (achte auf das Schild „sube“, „se vende sube“ o. Ä.). Aufladen kannst Du sie an jeder U-Bahn Station und an Kiosken mit dem Schild „cargar sube“. Die Karte ist übertragbar. Wenn Du also in einer Gruppe unterwegs bist, reicht eine Sube-Karte aus.

 

Deine Sube ist aufgeladen? Dann kommt der nächste Schritt:

Die richtige Buslinie finden

Das geht mittlerweile ganz einfach per App („Cómo llego“, Google Maps o.Ä.) oder bei Mapas Buenos Aires (funktioniert wie Cómo llego). Gib einfach Start- und Zieladresse an und dir werden alle Möglichkeiten angezeigt, dorthin zu kommen. 

Damit ist die Suche aber noch nicht beendet…

Vom Suchen und Finden der Bushaltestelle

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Bushaltestelle als solche zu identifizieren. In einigen größeren Straßen ist das mittlerweile gar nicht mehr so schwer, denn dort gibt es eine extra Spur nur für Busse: Metrobus. An den Haltestellen sind die Nummern der Linien, die dort halten, angeschrieben. Metrobus gibt es zum Beispiel in den Straßen 9 de Julio, Paseo Colón, Juan B. Justo usw. Zurzeit herrscht in Buenos Aires ein regelrechter Metrobus-Boom und immer mehr Busspuren sprießen aus dem Boden.

 

Wo kein Metrobus fährt, muss man manchmal genauer hinschauen. Die Busnummern sind teilweise an Bäumen angebracht, was im Frühling und Sommer eher suboptimal ist, weil man sie unter dem Blätterdach nicht sieht. An einigen Haltestellen findet sich die Nummer an einer Hauswand. Dann muss man wissen, ob es sich hierbei um die Haus- oder Busnummer handelt.

 

Oft weist auch die Menschenschlange darauf hin, dass es sich um eine Bushaltestelle handelt. Hier gilt: Immer hinten anstellen, gedrängelt wird nicht. Das ist eine der wenigen Regeln, die akribisch eingehalten wird.

 

Es kann aber auch mal dumm laufen… Wie vor ein paar Jahren, als ich mit der 55 von meiner alten Wohnung in Villa Crespo nach Palermo fahren wollte.

Detective alemán oder die Suche nach der 55

Die Haltestelle der Busnummer 55 liegt nur ein paar Blocks von meiner Wohnung entfernt, an der Ecke Serrano und Murrillo. Dort angekommen, sehe ich: nichts! Keine Haltestelle weit und breit. Ich suche die Hauswand nach einer Nummer ab, den Baum nach einem Schild. Irgendwo muss doch ein Hinweis sein.

 

Ich frage einen Passanten, er zeigt wissend in Richtung der nächsten Straßenkreuzung. Dort dasselbe Spiel. Jede Menge Plakate, aber keine Bushaltestelle. Ich gehe zweimal um den Block. Frage erneut. Wieder wird mir eine andere Stelle gezeigt. Wieder keine Haltestelle. Drei 55er Linien fahren an mir vorbei, ich strecke die Hand aus zum Zeichen, dass ich einsteigen will, aber die Busse rauschen in einem Höllentempo an mir vorbei. Logisch, hier ist ja auch keine Haltestelle.

 

Die Bauarbeiter in Serrano und Murrillo schauen mir schon eine Weile belustigt zu, wie ich so meine Runden drehe.  Helfen können sie mir aber auch nicht. „Ja, irgendwo hier hält immer die 55.“

 

Als ich beschließe, einen neuen Weg zu finden, um nach Palermo zu kommen, fragt mich eine Passantin, was ich suche. „Na, aber du stehst gerade direkt an der Haltestelle der 55!“ Ihre Antwort. Wie bitte? Sie erklärt mir, dass genau hier mal ein Schild war, das es aber seit ein paar Wochen nicht mehr gibt. Ein neues wurde offensichtlich nicht angebracht.

Wie man denn dann wissen kann, dass hier die Haltestelle ist, frage ich sie. „Na, ganz einfach, so wie es bei dir war: Jemand sagt es einem und dann weiß man es.“

 

Die nächste 55 hält tatsächlich und ich komme nach Palermo, wo meine Freunde längst auf mich warten…

Bus anhalten, bezahlen etc. - Tipps für die Busfahrt in Buenos Aires

Die Bushaltestelle ist also gefunden. Nun musst Du dem Busfahrer nur noch klarmachen, dass er anhalten soll. Und das geht via Handzeichen. Eingestiegen wird beim Fahrer. Dort zahlst Du mit der Sube. Der Preis hängt von der Länge der Strecke ab. Da sich die Buspreise ständig ändern, ist es am besten, wenn Du dem Fahrer einfach die Straßenecke sagst, an der Du aussteigen möchtest (z.B. „Santa Fe y Scalabrini Ortiz“). Handelt es sich bei Deinem Ziel um einen sehr bekannten Ort wie etwa der Caminito in La Boca oder der Friedhof von Recoleta, kannst Du auch einfach den Namen sagen.

 

Am Lesergerät neben oder hinter dem Fahrersitz erscheint nun der Preis. Du hältst die Sube Karte ans Lesegerät und der Preis wird abgezogen. Übrigens solltest Du immer schauen, dass Du genügend Geld auf der Karte hast, denn im Bus selbst kannst Du sie nicht aufladen.

 

Versuch – auch und gerade zu Stoßzeiten –  so weit wie möglich nach hinten durchzugehen. Da alle beim Fahrer einsteigen, wird es dort schnell extrem voll. Der Ausstieg erfolgt sowieso über die hintere oder die mittlere Tür. Weil der Bus nicht automatisch an jeder Haltestellt hält, musst Du den Stoppknopf drücken, wenn Du aussteigen möchtest. Die Haltestellen werden nicht angezeigt. Daher solltest Du entweder die Straßennamen aufmerksam verfolgen oder Dein GPS am Handy aktiviert haben, damit Du weißt, wo Du bist (vorsicht vor Taschendieben, für Smartphones haben sie eine spezielle Leidenschaft).  

 

Ein bisschen Spurenlesergeist kann also nicht schaden, aber wenn man das System einmal durchschaut hat, dann klappts.

Ich steige auch nach Jahren in Buenos Aires noch oft falsch aus und muss ein paar Blocks mehr gehen als gedacht. Aber das gehört dazu. Immerhin lernt man so die Stadt kennen.

 

Viel Erfolg bei Deiner Busfahrt durch Buenos Aires!

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